ANTRAG: Prävention von Straßenunterspülungen – Risiken frühzeitig erkennen und städtische Infrastruktur schützen!
Die gefährliche Fahrbahnabsenkung in der Werderstraße in Stuttgart-Ost zeigt, welche Folgen unentdeckte Schäden an Kanälen und Untergrund haben können.
Die Stadträte Thomas Rosspacher und Marcus Ottersberg von der WerteUnion-Gruppe im Stuttgarter Rathaus haben deshalb heute den Antrag Nr. 0967/2026 AN
„Prävention von Straßenunterspülungen – Risiken frühzeitig erkennen und städtische Infrastruktur schützen“ eingebracht.
Im Mittelpunkt stehen konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit in Stuttgart: eine stadtweite Risikobetrachtung von Geologie, Kanalzustand und bekannten Schadensstellen, engmaschigere Kanalinspektionen in besonders gefährdeten Bereichen, der Einsatz moderner Technik und KI bei der Schadenserkennung sowie die Prüfung von Sensoren und Frühwarnsystemen.
Auch bei Entsiegelungs-, Versickerungs- und Schwammstadtmaßnahmen soll künftig stärker berücksichtigt werden, welche geologischen Bedingungen vor Ort bestehen.
Thomas Rosspacher und Marcus Ottersberg setzen damit ein konkretes kommunalpolitisches Thema auf die Tagesordnung, das unmittelbar die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und den Schutz der städtischen Infrastruktur betrifft.
Denn Schäden frühzeitig zu erkennen bedeutet im besten Fall: Gefahren vermeiden, Straßen und Leitungen schützen und hohe spätere Sanierungskosten verhindern.
Kommunalpolitik muss sich an konkreten Problemen und praktikablen Lösungen für Stuttgart messen lassen.
Den vollständigen Antrag finden Sie hier:
https://allris.stuttgart.de/vo020?VOLFDNR=1011317
Und hier den Antrag im Wortlaut:
Antrag – 0967/2026 AN – Prävention von Straßenunterspülungen – Risiken frühzeitig erkennen und städtische Infrastruktur schützen.
Antragsdatum: 27.08.2026 / Antragsteller: WerteUnion Gruppe im Stuttgarter Rathaus
Beschlussantrag
Die Verwaltung wird beauftragt, unter Einbeziehung der Stadtentwässerung Stuttgart (SES) ein ressortübergreifendes Konzept zur präventiven Sicherung des Stuttgarter Straßennetzes gegen Unterspülungen und Fahrbahnabsenkungen zu erarbeiten und dem Gemeinderat im zuständigen Ausschuss vorzulegen.
Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:
1. Geologisches Risiko-Screening:
Die Verwaltung prüft die Erstellung einer stadtweiten Risikokarte, in der bekannte geologische Risikobereiche, insbesondere Gipskeuper- und Anhydritvorkommen, mit Alter, Zustand und Schadenshistorie des Kanalnetzes sowie bisherigen Straßenabsenkungen und Unterspülungen zusammengeführt werden.
2. Priorisierte Kanalinspektion in Risikobereichen:
Es ist darzustellen, inwieweit Kanalabschnitte in geologisch besonders sensiblen Bereichen künftig engmaschiger kontrolliert werden können. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob der verstärkte Einsatz moderner Kanalrobotik sowie automatisierter beziehungsweise KI-gestützter Auswertungsverfahren eine frühzeitigere Erkennung von Rissen, Leckagen und sonstigen Schäden ermöglicht.
3. Berücksichtigung der Geologie bei Versickerungsmaßnahmen:
Die Verwaltung stellt dar, wie bei Entsiegelungs-, Versickerungs- und Schwammstadtmaßnahmen sichergestellt wird, dass die jeweilige geologische Beschaffenheit des Untergrunds ausreichend berücksichtigt wird und ein unkontrollierter Wassereintrag in empfindliche oder quellfähige Gesteinsschichten vermieden wird.
4. Frühwarnsysteme an besonders gefährdeten Standorten:
Es ist zu prüfen, ob an bekannten beziehungsweise künftig identifizierten Risikopunkten der Einsatz von Feuchtigkeitssensoren, geophysikalischen Messverfahren oder anderen geeigneten Überwachungstechnologien technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Gegebenenfalls ist hierfür ein Pilotprojekt vorzuschlagen.
5. Priorisierung und weiteres Vorgehen:
Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse soll die Verwaltung darstellen, welche Bereiche des Stadtgebiets besonderen Handlungsbedarf aufweisen, welche präventiven Maßnahmen dort sinnvoll sind und mit welchem personellen und finanziellen Aufwand eine schrittweise Umsetzung verbunden wäre.
Begründung:
Die Fahrbahnabsenkung in der Werderstraße in Stuttgart-Ost am 25./26. August 2026 zeigt, welche erheblichen Folgen unentdeckte Schäden an der unterirdischen Infrastruktur haben können. Nach bisherigen Erkenntnissen führte ein Schaden an einem Abwasserkanal zu einer Unterspülung der Fahrbahn. Das entstandene Loch soll nach Angaben von Anwohnern mehrere Meter tief gewesen sein.
Der Vorfall macht deutlich, dass Schäden im Kanalnetz nicht ausschließlich ein Problem der Abwasserentsorgung darstellen. Sie können unmittelbar Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und die darüberliegende städtische Infrastruktur haben.
Hinzu kommen die besonderen geologischen Verhältnisse in Stuttgart. In Teilen des Stadtgebiets befinden sich gipshaltige Keuperschichten im Untergrund. Eindringendes Wasser kann dort Lösungs- und Auswaschungsprozesse begünstigen und zur Entstehung von Hohlräumen beitragen. In tieferliegenden anhydritführenden Schichten kann Wasserzutritt wiederum Quellprozesse und damit erhebliche Veränderungen des Untergrunds auslösen.
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, vorhandene Erkenntnisse über den Zustand des Kanalnetzes systematisch mit geologischen Daten und bekannten Schadensereignissen zusammenzuführen. Eine risikoorientierte Überwachung ermöglicht es, begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo die Wahrscheinlichkeit beziehungsweise die möglichen Folgen eines Schadens besonders hoch sind.
Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse und damit verbundene Belastungsspitzen für Kanalisation und Untergrund an Bedeutung zu. Entsiegelungs- und Versickerungsmaßnahmen müssen deshalb stets auch die örtlichen geologischen Voraussetzungen berücksichtigen.
Ziel muss es sein, Schäden möglichst zu erkennen, bevor größere Hohlräume entstehen und Straßen, Leitungen oder andere Bauwerke beeinträchtigt werden. Prävention und frühzeitige Instandsetzung dienen damit nicht nur der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger, sondern können auch erhebliche spätere Sanierungs- und Folgekosten vermeiden.
Gez.
Thomas Rosspacher
Marcus Ottersberg